In Lulea hält uns nicht viel. Der Hafen ist nicht sonderlich hübsch, die Stadt auch nicht. Sicher tun wir Lulea ein wenig Unrecht, denn die Gammle Stadt soll wunderschön sein und laut unserem Nachbarn ein "unique" Place. Doch wir wollen den Ostwind nutzen um weiter zu kommen. An sich wollten wir schon früh auf den Beinen sein, aber irgendwie ist bei uns beiden ein wenig die Luft raus und wir wollen uns nicht mehr stressen oder vom Wetter nerven lassen. Also wird in Ruhe gefrühstückt, wir pflegen noch ein wenig Konversation mit unserem Nachbarn mit seiner 50 Fuß Farr. Er ist scheinbar aus der Stockholmer Gegend und scheint sich ein wenig zu wundern, dass man ihn hier im Norden mit einem Schiff dieser Größe ein wenig schräg ansieht. Hier im Norden sind kleine Schiffe zwischen 20 und 30 Fuß die Regel - sowohl Segel- als auch Motorboote. Entsprechend sind auch die Häfen ausgelegt. Da fällt eine 50 Fuß Yacht einfach ein wenig aus dem Rahmen. Auch treffen wir zu unserer Freude die finnische Familie wieder, mit denen wir uns in Marjaniemi so gut unterhalten hatten. Und so gibt noch einen ausgedehnten Plausch bei uns an Bord und wir sammeln weiter Tipps zu Häfen und Ankerplätzen. Das ist hier im Norden wirklich anders und seit wir in Schweden sind doch ein wenig unbefriedigend: Informationen über Häfen und Anlegebrücken oder Ankerplätze zu bekommen. Die kostenlosen Hefte Svenska Kustregistret und Gästhamns Guiden sind zwar ganz informativ, aber irgendwie fühlen wir uns durch sie nicht wirklich ausreichend informiert. Sie haben in der Regel keine Skizze vom Hafen und die Fotos sind meist von schlechter Qualität. Von Ingo hatten wir noch das Buch "Bottenvikaren" bekommen. Hier finden wir gerade für den Bereich von Haparanda bis Lulea gute Informationen zu Häfen. Auch wenn das Buch schon älter ist und nur in schwedisch - verstehen kann man es trotzdem und so schnell wandern die Steine hier oben auch wieder nicht. Im großen Bootszubehörladen - der sich in Lulea direkt am Hafen befindet und ansonsten der bisher am besten ausgestattetste Segelladen der Reise ist - finden wir kein Hafenhandbuch, das unseren Vorstellungen entspricht und den Bereich von Pitea bis zu den Höga Küsten abdeckt. Aus diesem Grund freuen wir uns über jeden Hinweis, den wir über einen Hafen oder Anleger bekommen. Die finnische Familie gibt uns den Hinweis, dass viele Informationen im Internet abzurufen sind unter den Seiten www.bryggplatsen.se und www.hamnen.se.
Wir hatten im Töre Batsklubb den Tipp bekommen, doch einfach mal beim Pitea Batsklubb vorbeizufahren. Dort sollte es auch nett sein. An sich sollte es wie gesagt viel weiter Richtung Süden gehen. Aber uns ist nicht nach 50 Seemeilen, sondern eher nur nach knapp 30. Und da liegt der Pitea Batsklubb genau richtig. Zudem soll die Süddrehung des Windes viel eher erfolgen und es herrscht eindeutig Gewitterneigung. Es erwartet uns nicht der angekündigte Ostwind, auch nicht in der angekündigten Stärke, sondern leichte Winde aus Nordost. Nach 27 sehr angenehmen Seemeilen, auf denen wir jedoch permanent das Gefühl hatten es zieht schlechtes Wetter auf, erreichen wir Svinöra - auf dieser kleinen Insel liegt der Clubanleger. Wieder fahren wir langsam zum Anleger, fragen freundlich, ob wir anlegen dürfen und dann liegen wir mit Heckanker an einem Schwimmsteg und finden mehr vor als erwartet. Es gibt Strom, Wasser, sogar Toiletten und Duschen mit warmen Wasser und einen Kiosk, zahlreiche Grillplätze und gleich zwei Saunen. Was wollen wir mehr. Wir werden freundlich willkommen geheißen. Kaum haben wir angelegt, zieht ein Gewitter auf und es schüttet unheimlich. Wir sitzen unter Deck, machen es uns gemütlich. Im Verlaufe des Abends verzieht sich der Regen und wir können unseren frischen Fisch grillen. Später versuchen wir über das Internet noch die aktuellen Ergebnisse der olympischen Spiele zu ergattern. Trotz Internetstick ist es doch oft mühsam online zu gehen - die Verbindungen hier in der "mobilen Wildness" sind ausgesprochen schlecht.
Für die nächsten Tage sind starke südliche Winde vorhergesagt und die Stimmung ist ein wenig gedrückt. An sich wollen wir uns von dem Wetter nicht nerven lassen - immerhin haben wir es gar nicht so schlecht getroffen. Wir haben kaum Gewitter, oft scheint die Sonne - auch wenn es meistens recht kühl ist. Auch haben wir unsere Route bisher trotz aller Hindernisse (Motor) ohne große Abstriche realisieren können. Grund zu Meckern haben wir an sich nicht. Dennoch sind wir genervt. Entweder kommt der Wind von vorne oder direkt von hinten. Und so langsam können wir Amwind- oder Vorwindkreuzen nicht mehr leiden. Auch ist die für die nächsten Tage vorhergesagte Windstärke alles andere als das, was wir uns wünschen: 20 Knoten und mehr sind nicht gerade die Lieblingsbedingungen von Fritsjen und dazu noch die steile Welle des Bottnischen Meerbusens. Wir wollen endlich einmal wieder richtig angenehme Segelbedingungen haben. Aber da müssen wir wohl auf nächsten Sommer hoffen - oder bringt der August die Wende? Tage mit angenehmen Bedingungen und Kursen, die uns ohne Umwege zum Ziel führen, können wir an einer Hand abzählen - vielleicht sind es auch noch zwei Finger der zweiten Hand, aber mehr sind es nicht.
Die Locals des Pitea Batsklubbs raten uns davon ab auszulaufen, wir sollen relaxen, einen Schnaps trinken (es ist 11 Uhr) und ein Nickerchen machen. Na gut. Nebenbei bekommen wir weiter Reviertipps und das Hafenhandbuch vorgeführt, was wir uns wünschen: Norrlandskust, herausgegeben von Svenska Kryssarklubben (gibt es übrigens bei Hanse Nautik für 22 Euro zu erwerben - hätten wir das gewusst…). Dort sind auch endlich einmal die Clubhäfen aufgeführt, diese fehlen in den kostenlosen Magazinen gänzlich und man kann in einigen Regionen das Gefühl bekommen, es gibt nur eine handvoll von Häfen. Wir lesen, meiden den Blick auf die Wetterberichte, versuchen zu relaxen, surfen im Internet und nehmen ein Nickerchen. Der Clubhafen ist mittlerweile prall gefüllt - eher mit Motorbooten - und es herrscht ein Wahnsinnstrubel. Es wir gebadet und geplanscht - während wir mit T-Shirt und Fleecepulli und Gänsehaut im Cockpit sitzen. Irgendwie scheint das Temperaturempfinden zwischen Schweden und Deutschen ein klein wenig unterschiedlich zu sein...
