Wir beschließen, Svinöra spät am Abend zu verlassen. Für die Nacht ist eine Winddrehung zunächst auf Südwest und dann auf West vorhergesagt. Perfekt für uns. So kreuzen wir zunächst aus den engen Gewässern von Pitea und müssen dann mit der Zeit feststellen, dass die angekündigte Drehung wohl erst später in der Nacht erfolgen wird. Zunächst wird gesegelt, später entschließen wir uns den Motor zur Unterstützung mitlaufen zu lassen, denn gegen die alte Welle aus Süden kommen wir bei den leichten Winden nicht an. Natürlich sind wir nicht begeistert, wir diskutieren, ob wir die Fahrt nach Furuögrund vorher abbrechen sollen. Doch wir entscheiden uns fürs Durchbeißen. Die Nacht ist wunderschön, es ist zwar verdammt kalt, aber es ist Vollmond und nahezu wolkenfreier Himmel. Es könnte schlimmer sein. Mittlerweile wird es nachts fast dunkel, daran müssen wir uns erst wieder gewöhnen. Aber um 3:39 Uhr linst schon fast wieder die Sonne am Horizont hervor. Also so richtig dunkel ist es nicht. Gegen 4 Uhr in der Früh erreichen wir Furuögrund. Wir machen schnell an einer Heckboje fest und klaren leise auf. Schnell wird noch ein Nudelsalat gegessen und dann geht es in die Koje.

Um 10 Uhr sind wir wieder auf den Beinen. Wir wollen in das fünf Kilometer entfernte Byske um dort einzukaufen. Während unserer Erkundungstour durch den Hafen werden wir von Lars angesprochen. Er ist der Schwager von einem schwedischen Segler, den wir in Svinöra getroffen hatten und bereits informiert, dass wir kommen. Er soll uns alles zeigen, vor allem die Fahrräder, damit wir nach Byske kommen. Prima, denken wir, dann brauchen wir unsere nicht auspacken. Auf geht's mit den Clubfahrrädern nach Byske. Schon auf der Hinfahrt formieren sich dunkle Wolken am Himmel und es ist klar, da braut sich ein Gewitter zusammen. Schnell kaufen wir im ICA Supermarkt ein, machen eine sehr kurze Rundfahrt durch den kleinen Ort und dann geht es wieder zurück in den Hafen. So dachten wir zumindest. Kaum haben wir den Ortsausgang passiert gibt es einen lauten Knall und schon ist Jans Hinterreifen platt. So ein Mist! Wir hatten uns ausgerechnet, dass wenn wir uns beeilen, es gerade noch vor dem Gewitter in den Hafen schaffen. Prima, nun heißt es 5 km schieben. Hätten wir bloß unsere Fahrräder hervorgeholt. Wir diskutieren, wie wir am schnellsten weiterkommen. Die ersten Tropfen kommen. Dann fährt Silja vor, bringt den Einkauf aufs Schiff und besorgt ein heiles Rad für Jan und macht sich dann auf den Weg wieder Richtung Byske um Jan das Rad zubringen. Jan quält sich derweil mit dem kaputten Hinterrad weiter Richtung Furuögrund. Natürlich wartet das Gewitter nicht bis beide wieder im Hafen sind. Es prasselt der Regen so richtig los, Wind kommt auf. Es gibt also eine kräftige Dusche. In Windeseile düsen Jan und Silja in den Hafen und laufen zielstrebig in das dortige Cafe. Hier ist es trocken, windgeschützt und es gibt leckere Waffeln. Triefend nass wie zwei begossene Pudel gibt es dazu noch Kaffee bzw. Tee.

Wir warten auf Wetterbesserung, packen dann unsere Sachen und brechen auf in das knapp zwei Seemeilen entfernte Halsön. Diesen Tipp hatten wir von den schwedischen Seglern bekommen und sie sind ebenfalls dort. Der Weg dorthin ist spannend, denn die betonnte Rinne ist alles andere als breit - und in der Seekarte ist sie auch nicht verzeichnet. Es erinnert mehr an einen Slalomparcour im Kajakfahren. In Halsön lernen wir ein weiteres Paradies kennen. Eine geschützte Bucht, ein kleiner Anleger, Sauna, Küche, Toilette, Strom, Grillplatz und alles ausgesprochen nett. Dort treffen wir auch auf Lars und die Segler aus Svinöra. Wir plauschen nett, sitzen auf den Felsen und genießen gemeinsam die Sonne. Abends sind wir eingeladen zu einem gemeinsamen Grillen. Es wird ein wundervoller Abend, lustig, ein Kauderwelsch aus Englisch, Schwedisch, Dänisch und Deutsch, wir haben einfach richtig viel Spaß! Und das macht auch das Weiterfahren ein wenig schwierig. Doch wir wollen weiter und es sind ausnahmsweise einmal leichte Winde angesagt, die wir nutzen wollen. Zuvor tauchen wir noch einmal das Schiff ab um sicher zu gehen, dass die Schrauben am unteren Teil des Saildrives auch wirklich noch fest sind. Zwei ziehen wir ein wenig nach und dann geht es los. Zuvor gibt es aber noch eine kleine Abschiedszeremonie - schade, es war nett in Halsön und die Gesellschaft war einzigartig. Tack für alles!
Wir machen uns auf den Weg nach Bjuröklubb - das war zumindest der Plan. Es sind nur 27 Seemeilen, aber die werden zu einer reinen Kreuz. Es zieht schlechtes Wetter auf, es wird eisig kalt und die Stimmung ist mäßig. So langsam kriecht uns das Wetter doch in die Knochen und es nervt. Uns ist kalt und wir fragen uns, ob wir wohl in Bjuröklubb überhaupt ein Plätzchen bekommen. Der Hafen soll verdammt klein sein, bietet nur wenigen Schiffen Platz und es ist auch noch Freitag. Für uns Gründe genug, die Pläne umzuschmeißen, wir fahren nach Kurjoviken. Dort gibt es nämlich im Hafen direkt ein Restaurant und wir wollen heute mal faul sein. Zudem ist grillen im Regen auch doof. Insofern machen wir uns einen netten Abend in Kurjoviken. Das Restaurant im Hafen ist 1A, wir haben wieder ausgesprochen nette Gesprächspartner und segeln einfach morgen weiter nach Bjuröklubb - in der Hoffnung, dass uns dann die Sonne wieder begleitet.