Am Freitag ging es für uns nach fünf Tagen Pause wieder aufs Wasser. In der Zwischenzeit ist Fritsjen wieder voll beladen mit Leckereien, Jan hat das neue Funkgerät eingebaut und Silja hat es nach vier Monaten tatsächlich geschafft sich zum Friseurbesuch durchzuringen. Einzigartig! Ein Perser, der seit Jahren in Finnland lebt, einst Politikwissenschaften studierte und nun Friseur ist... Für den ersten Segeltag sind leichte Wind aus Süd angesagt, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Wir freuen uns auf einen erfüllten Segeltag. Unser Ziel ist Törehamn, etwa 41 Seemeilen entfernt und danach wollen wir noch weiter nach Bergö zum Töre Batsklub.

Tja und wieder einmal kommt es anders als geplant. Wir laufen aus und irgendwie ist das kein Südwind, was uns da draußen erwartet. Die Windstärke ist super, 8 bis 10 Knoten, aber der Wind kommt eindeutig aus West. Schön, dass wir nach Westen wollen. Also, ist wieder einmal Kreuzen angesagt, das kennen wir ja schon. Wir sind nur froh, das Fritsjen bei diesen Winden und kaum Welle hervorragende Kreuzeigenschaften besitzt. Andernfalls würde es vermutlich eine Ewigkeit dauern bis wir am Ziel wären. Dennoch werden aus den 41 Seemeilen natürlich einige mehr und gegen 19 Uhr kommt dann endlich Töre in Sicht. Und wir können sie sehen: DIE gelbe Tonne! Wir machen viele Fotos und legen dann direkt an der Tonne an. Schon beim Anlegen kommen bei Silja erste Zweifel auf - wo ist hier der Briefkasten! Aber Jan ist guter Dinge, dass sich alles finden wird. Silja macht die Vorleine an der Tonne fest, Jan macht schnell ein paar Fotos und dann sehen wir es schwarz auf weiß. An der Tonne hängt ein Zettel: das berühmte Zertifikat, dass man den nördlichsten Punkt der Ostsee erreicht hat, gibt es direkt an der Pier, ebenso den berühmten Briefkasten. Mmmmh, das hatten wir uns auch mal wieder anders vorgestellt. Unsere knapp zwanzig Postkarten wollten wir doch an der Tonne einschmeißen. Naja, egal, dann legen wir eben noch an der Pier an und füllen dort das Formular aus um das Zertifikat zu erhalten und schmeißen dort die Postkarten ein. Der Hafen von Töre ist nicht wirklich schön. Zwei Segler sind dort. Ansonsten gibt es außer Schwimmstegen nicht viel. Der Ausblick auf das Silo ist nicht wirklich ein Traum. Aber, das hatten wir auch nicht anders erwartet, deswegen wollen wir ja auch gleich weiter. Bewaffnet mit Kugelschreiber und unseren Postkarten machen wir uns auf die Suche nach dem Briefkasten. Unweit des Hafens entdecken wir ein Schild: das Zertifikat gibt es an der Rezeption des Campingplatzes. Wir schauen uns an! Na toll! Rezeption des Campingplatzes! Das hat ja Charme! Und, tatsächlich, direkt am Hafen befindet sich ein gut gefüllter Campingplatz. An der Rezeption können wir für 25 SEK (das sind umgerechnet knapp 3 Euro) das Formular ausfüllen und auch unsere Postkarten abgeben. Man sagt uns, wir sollen zehn Minuten warten, dann könnten wir das Zertifikat gleich mitnehmen. Wir machen den Spaß mit, aber irgendwie hat die ganze Sache in unseren Augen an Reiz verloren. Wir sind schon ein wenig enttäuscht, aber immerhin, wir waren am nördlichsten Punkt und standen zumindest einmal auf der berühmten Tonne. Missen wollen wir dieses Erlebnis auch nicht.

Mittlerweile ist es schon fast 20 Uhr. Wir sind beide recht müde, steckt uns doch irgendetwas ein wenig in den Knochen. Aber hier bleiben wollen wir nicht. Die Siloathmosphäre gepaart mit Campingplatzduft und -lärm - das ist nicht unsere Welt. Leider gibt es in der Nähe von Töre keine Häfen. Wir haben allerdings von dem finnischen Segler Frederik von der Tiranda (die uns damals vor Vasa geschleppt haben) den Tipp bekommen in den Töre Batsklubb zu fahren. Wir haben wenige Informationen, steuern aber trotzdem die Bucht an. Wir wissen nicht, ob wir dort anlanden dürfen, ist es doch kein öffentlicher Hafen. Wir fragen freundlich und es ist kein Problem, wir können bleiben - auch gerne für mehr als eine Nacht. Es ist ein kleines Paradies. Eine geschützte Bucht, eine Grillhütte, Sauna, einen Sprungturm, eine Spüle unter freiem Himmel, Toiletten und ein Clubhaus und viele sehr nette Clubmitglieder. Hier bleiben wir gerne! Es ist traumhaft ruhig und nach etlichen Gesprächen (wo kommt ihr her? ist ein langer Weg! wo wollt ihr hin? usw.) gibt es bei uns dann auch gegen Mitternacht endlich etwas zu essen: Spaghetti, Scampis und Knoblauch. Sehr lecker!

Am Samstag lassen wir es zunächst ruhig angehen. Es ist einfach verdammt schön im Töre Batsklubb. Wir bekommen noch einige Tipps, wo es hingehen könnte, aber eigentlich haben wir gar keine Lust weiterzufahren und man rät uns auch dazu unbedingt noch einmal die Sauna zu testen. Also bleiben wir und am Sonntag früh geht es dann - wie sollte es anders sein - bei Wind von vorne und dazu noch Regen nach Lulea. Die Überfahrt im zweiten Reff ist unspektakulär und so sind wir schon am frühen Nachmittag dort, ergattern noch frischen Fisch vom Fischer und nutzen den Supermarkt, der nur wenige Meter vom Hafen entfernt zu finden ist.