Stockholm begrüßt uns zunächst mit Sonne und vielen dunklen Wolken. Aber wir haben Glück bei der Anfahrt zum Vasahamn linst immer wieder die Sonne hinter den Wolken hervor und so fahren wir vorbei an Stockholms Tivoli, sehen die schöne Stadtkulisse und machen dann fest im Vasahamn, der mittlerweile nur noch mäßig gefüllt ist - trotz Wochenende
Am ersten Abend verlassen wir die Insel Djurgarden nicht, wir sind ein wenig faul. Außerdem ist es die grüne Oase Stockholms und war einst königliches Jagdrevier, in dem Elche und Rotwild zu finden waren. Hier finden wir ein tolles Restaurant und so kehren wir zu viert dort ein. Denn, Thorsten bessere Hälfte Anke, ist nun auch in Stockholm und hat uns im Vasahamn empfangen.
Der Samstag steht ganz im Sinne von Sightseeing light. Wir freuen uns auf die Stadt, aber ein straffes Sightseeing-Programm - dazu sind wir nicht aufgelegt. Früh morgens stehen wir auf, denn wir haben hier die Chance unsere Wäsche zu waschen und diese Tätigkeiten sollen uns nicht den Tag zerhageln. Also werden wir zu Nachtwäschern - abends wird noch eine Maschine angestellt und um 7 Uhr ist der Trockner schon wieder am laufen. Dann geht es aber in die City - wir wollen Lena und Adam treffen. Wir treffen uns direkt im Innenhof des königlichen Schlosses. Gemeinsam schlendern wir ein wenig durch Gamlastan - lassen alles auf uns wirken. Dann ergattern wir ein sonniges Plätzchen in einem Cafe auf dem Stortorget, direkt am Nobel-Museum. Hier kommen wir in den Genuss eines wirklich leckern Kakaos (ein Nobel-Kakao?) und Cafe Latte und dazu gibt es Zimtschnecken und Kladdkaka - dieser typisch schwedische, flache Schokoladenkuchen gefällt uns sehr gut! Danach stoßen Thorsten und Anke zu uns und so schlendern wir zu sechst durch Stockholm. Da wir gehört haben, dass Södermalm das neue Inn-Viertel sein soll, machen wir uns direkt auf den Weg dorthin und erkunden auch diesen Stadtteil. Am späten Nachmittag gönnen wir uns dann in einem Restaurant mit wunderbarem Ausblick über Stockholm ein weiteres Päuschen bevor wir dann den Abend in Södermalm in einem urigen Restaurant verbringen, das sich zu späterer Stunde als Pub, Bar und Disco entpuppt. Wir sind mittlerweile zu acht, denn ein ehemaliger Arbeitskollege von Jan ist mit Freundin auch in Stockholm und so gibt es ein überraschendes Wiedersehen. Es ist Samstag Abend und das bekommen wir zu spüren. Ganz Stockholm ist auf den Beinen und das scheinbar alkoholisiert. Wir sind erstaunt - eher ein wenig erschüttert - wie viele sturzbetrunkene Menschen uns hier über den Weg laufen. An jeder Ecke wird gefeiert, schallt uns laute Musik entgegen. Wir bevorzugen jedoch lieber unsere Koje, denn morgen soll ja unser Sightseeing Programm weiter gehen und das nicht mit einem dicken Kopf und müden Augen.
Da für Sonntag schlechtes Wetter angesagt ist, planen wir eher einen Museumstag ein. Doch bevor es ins Vasamuseum geht, erkunden wir die Insel Djurgarden weiter. Hier gibt es das Freilichtmuseum Skansen - das älteste Freilichtmuseum der Welt, es wurde 1891 gegründet. Hier findet man Schweden in kompakter Form zusammengestellt. Typische Bauernhäuser und Herrenhöfe mit Möbeln und Haushaltsgegenstände und landestypische Tiere können wir hier bestaunen. Alle Angestellten tragen landes- und für die damalige Zeit typische Trachten. Wir fühlen uns wie in eine andere Zeit versetzt.
Danach geht es ins Vasa Museum. Das 1628 auf der Jungfernfahrt gesunkene Schiff Vasa ist hier in beeindruckender Form ausgestellt. Wir bekommen eine kompakte Führung und erfahren so mehr über die Vasa, die nach 333 Jahren im Jahr 1961 geborgen wurde. Das Schiff besteht zu 95% aus Originalteilen. Wir bestaunen die vielen geschnitzten Skulpturen und das Wrack von den verschiedensten Etagen aus. Für Lena und Adam heißt es dann auch schon wieder "Tschüß, Stockholm" - ihr Flieger geht noch am Abend und so machen sie sich auf den Weg zum Flughafen. Wir finden gemeinsam mit Thorsten und Anke eine Burgerbar und genießen ein Abendessen zu ganz humanen Preisen - was in Stockholm ja doch eher eine Seltenheit darstellt. Mit den Rädern soll es dann wieder zurück gehen - wir wollen in den Hafen, Anke und Thorsten zurück ins Gefängnis, denn dort wohnen sie. Es ist ein Hostel, das in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht ist und der Gefängnischarme wurde bis heute aufrecht erhalten. Die einzelnen Zimmer sind in den Zellen untergebracht - natürlich mit Gittern vor den Fenstern. Doch bis zum Gefängnis kamen die beiden leider nicht mit den Rädern. Ankes Fahrrad weigerte sich massiv eine kleine Bürgersteigkante hinaufzufahren und warf sie einfach ab. Das wiederum missfiel Ankes Knie, das daraufhin seinen Dienst verweigerte. Thorsten und Anke verbrachten daraufhin die Nacht in der Klinik, wo man aber aufgrund der Schwellung nichts Genaueres feststellen konnte.
Für den Montag waren wir zum Frühstück von Thorsten und Anke im Gefängnis eingeladen. Und der Montag war ein besonderer, denn Jan hatte Geburtstag. Es gibt also erst eine kleine Geburtstagsüberraschung auf dem Schiff und dann geht es zum Gefängnis. Wir sind am Montag morgen mitten im Berufsverkehr - und das trifft auch auf den Fahrradverkehr zu. Wahnsinn! Massen strömen auf Rädern vermutlich zu ihrer Arbeitsstätte und wir sind in dem ganzen Gewusel mitten drin. Nach einigen Umwegen finden wir dann doch zum Gefängnis und genießen ein vorzügliches Geburtstagsfrühstück. Danach bummeln wir gemeinsam mit Thorsten - Anke ist ja leider kniebedingt etwas gehandicapt - durch die City, genießen einen weiteren leckeren Nobel-Kakao und finden dann noch einen Buchladen mit Krimis und die sogar in deutscher und englischer Sprache. Super, dann haben wir erst einmal wieder vier neue Bücher. Denn unsere Bordbibliothek ist so langsam aber sicher ausgelesen.
Leider steht der Geburtstag nicht ausschließlich im Sinne des Vergnügens, wir müssen Fritsjen wieder reisefertig machen, denn Dienstag soll es weitergehen. Also kaufen wir noch Benzin - sicher das teuerste, das wir jemals an Bord hatten, und erledigen noch unseren Einkauf. Die Cockpitpersenning wird eingepackt und verstaut und unter Deck wird ebenfalls alles sicher verstaut. Den Abend wollen wir aber noch einmal richtig genießen und so ergattern wir einen der wenigen noch freien Plätze in Blasieholmens Akvarium och Restaurant B.A.R. Es scheint ein sehr beliebtes Fischrestaurant in Stockholm zu sein. Eine riesige Theke stellt Fische und Meeresfrüchte jeder Art zur Show und der Gast kann frei wählen. Wir genießen zusammen mit Thorsten die Grillplatte des Hauses und damit verschiedenste Fische, Hummer und weitere Meeresfrüchte. Es ist köstlich! Das ist ein wunderschönes Finale von Jans Geburtstag und auch zugleich unseres Stockholm-Aufenthaltes. Einziger Wermutstropfen gebührt Anke, die mit dickem Knie im Gefängnis sitzt. Hoffen wir, dass sie bald wieder auf dem Damm ist und dann nur noch friedliche Fahrräder erwischt, die nicht bockig werden nur weil die Bordsteinkante nicht ganz so ebenerdig ist.
