Morgens um 9 Uhr verlassen wir Mellanfjärden bei herrlichstem Sonnenschein. Wir freuen uns auf eine leichte Brise und den ganzen Tag Sonnenschein. Doch kaum verlassen wir die engeren Gewässer von Mellanfjärden sehen wir keine Sonne mehr, sondern dichten Nebel. Naja, denken wir, die Sonne scheint, da wird sich der Nebel nicht ewig lange halten. Also fahren wir weiter. Das gute hier ist, dass Nebel nicht gleich Windstille bedeutet, sondern meist ganz netten Wind. Und so ist es auch dieses Mal. Wir setzen wieder Groß und Fock und kommen besser voran als gedacht. Nur unsere Theorie, dass sich der Nebel alsbald auflösen wird, war vollkommen falsch. Erst gegen 13 Uhr werden die Nebelschwaden dünner und es ist wieder Land zu sehen. Bis dahin waren wir aber inzwischen wieder gut eingemummelt, denn im Nebel war es nicht nur feucht, sondern auch recht erfrischend kühl. So freuen wir uns riesig über die Sonne und tauen erst einmal ein wenig auf. Da wir so gut vorangekommen sind, disponieren wir um. Wir fahren nicht noch Hölick, da haben wir beide auch irgendwie keine Lust zu. Wir wollen nicht einen Hafen anlaufen, uns ist mehr nach einer kleinen Bucht. Gut, dass wir von dem Buch Norrlandskust zahlreiche Fotos gemacht haben. Wir haben dieses gute Werk einfach noch nicht kaufen können und dabei ist es einfach DER beste Führer für den Norden. Naja, macht nichts, wir haben die Seiten abfotografiert und so finden wir eine tolle Bucht auf Agön.
Nach 30 Seemeilen landen wir in Agön an. Mit uns liegt an einer Brücke noch ein Australier. Auf Agön gefällt es uns sofort. Es ist ein ganz idyllischer kleiner Anlegeplatz mit Grillstellen, Sitzgelegenheiten, einer Bibliothek (!!) und einer netten kleinen Sauna. Toll! So hatten wir es uns vorgestellt. Die Anzahl der Toiletten und die zahlreichen Informationstafeln zeugen zwar davon, dass dies ein stark frequentierter Ort sein muss, aber - wie gut - wir haben ja Saisonende. Es kommt abends noch ein Schwede und so sind wir gerade mal drei Schiffe. Und, was wir hier auch erfahren, wir sind in unmittelbarer Nähe von einem Kegelrobben-Schutzreservat. Wir genießen die Ruhe, Silja sammelt Blaubeeren und abends werfen wir unseren Grill an.
Für Mittwoch ist unser Ziel klar, wir müssen und wollen nach Sandarne um Thorsten am Donnerstag in Empfang nehmen zu können. Es sind leichte - sehr leichte - Winde angesagt und so befürchten wir eine lange Motorfahrt. Wir legen noch vor zehn Uhr in Agön ab und nutzen einen leichten Windhauch von hinten um mit Genaker ein wenig voran zu kommen. Wir sind direkt am Rande des Robbenschutzgebietes und wollen daher lieber treiben als mit Motor dort vorbeizufahren. Vielleicht haben wir ja das Glück und können noch mal Robben sehen. Und siehe da, erst denken wir, dort treibt eine Flasche. Nein, es war eine Robbe, die vermutlich ihre Nase gesonnt hat. Klasse! Und dann entdecken wir sie alle. Auf einer Flachstelle, an der vereinzelt Steine herausgucken, liegen sie. Zahlreiche Kegelrobben. Und wir sehen sie nicht nur, wir hören sie auch. Wahnsinn! Wir liegen in der Flaute, dümpeln mit 0,3 Knoten vor uns hin und um uns herum sind Kegelrobben.
Wir entschließen uns aufgrund der wahnsinnigen Geschwindigkeit hier ein Bad zunehmen und zu prüfen, ob die Schrauben für den unteren Teil des Saildrives noch fest sind. Das wollten wir schon in Agön machen, doch irgendwie war es am Morgen noch ein wenig frisch. Aber nun, bei Flaute und Sonne. Jan schnappt sich die Brille und den Schraubenschlüssel und prüft die Schrauben. Wieder einmal, wie schon bei unserem Tauchgang in Halsön lassen sich die hinteren Schrauben ein wenig nachziehen, die vorderen sind fest. Mmmmh, naja, dann müssen wir wohl in regelmäßigen Abständen tauchen gehen. Jetzt mag es noch gehen, aber Ende September oder gar im Oktober... brrrh... daran denken wir besser jetzt noch nicht.
Nach unser Kegelrobbenbeobachtung und Badeaktion kommt tatsächlich eine leichte Brise auf. Wir setzen das Groß und den Genaker und kommen tatsächlich voran. Langsam, aber stetig. Außerdem ist so traumhaftes Sommerwetter, wir genießen es einfach. Wir sitzen in kurzen Hosen und T-Shirt an Bord. Toll! Natürlich bleibt das nicht ewig so, nach zwei Stunden sind wir wieder zu langer Hose und Fließ übergegangen, aber immerhin.
Gegen Nachmittag wird der Wind schwächer und die letzten vier Seemeilen legen wir dann doch unter Motor zurück. Wir wollen in Sandarne noch Waschen, nach einem Supermarkt Ausschau halten und das Boot auf Vordermann bringen. Der Hafen in Sandarne ist gut geschützt. Er liegt zwischen Industrieanlagen, von denen man im Hafen selbst aber nichts mitbekommt. Der Ort Sandarne ist ein wenig speziell. Es gibt einige Häuser und Wohnblocks, die eher an eine Kaserne erinnern. Aber uns ist es gleich, wir finden hier alles, was wir brauchen: Waschmaschine, Duschen, einen Supermarkt mit Post, eine Pizzeria und eine Busverbindung nach Söderhamn. Wir haben uns dagegen entschieden nach Söderhamn direkt zu fahren, da dies für uns eine ewige Motorerei bedeutet hätte und so können wir Söderhamn in 15 Minuten mit dem Bus erreichen.
Für uns ist jetzt nach einem richtig tollen Blaubeerpfannkuchen-Frühstück noch schnell putzen, saubermachen, Wäsche zusammenlegen und Wasser tanken angesagt und dann geht es los nach Söderhamn. Um 12.28 Uhr ist Thorsten da und er erwartet natürlich einen zünftigen Empfang. Und den soll er auch bekommen.