Nach unserem kurzen Stop in Ventspils haben wir uns früh morgens auf den Weg in das 60 Seemeilen entfernte Kuressaare gemacht. Am Abend zuvor haben wir dann tatsächlich noch ein Restaurant gefunden, das dann auch geöffnet hatte. Wahnsinn! Kurz vor zehn sind wir dann auch von unserer Stadterkundungstour zurück und im Hafen haben wir Gesellschaft von Uwe und Conny bekommen. Insgesamt hat uns Ventspils ein wenig überrascht. Ist doch der Hafen alles andere als schön und er vermittelt ein Gefühl von Industriestadt, so verwundert der Gang durch die Stadt. Hier ist es durchaus sehr nett und gepflegt. Es gibt viele Grünanlagen, vor der Bibliothek öffentliches Wlan, viele Bänke laden zum Verweilen ein. Das hatten wir nicht erwartet. Dennoch hält uns hier nicht viel, wir wollen weiter. Haben wir doch schon so viel Tolles von Kuressaare gehört.
Für den Vormittag sind recht kräftige Winde um die 20 bis 25 Knoten aus Süd bis Südwest angesagt. Die Hafenausfahrt von Ventspils vermittelt zunächst ein recht ruhiges Bild. Draußen begegnen wir dann doch recht ordentlichen Wellen, aber sie kommen ja zum Glück von hinten und so rauschen wir schnell Richtung Kuressaare. Zunächst verzichten wir auf das Groß, der Wind kommt eh von hinten und mit der Fock sind wir mit über 6 Knoten auch gut unterwegs. Wir passieren die Irben Straße ohne großen Schiffsverkehr. Die Sicht ist schlecht und die Insel Saarema ist lange nicht zu sehen. Pünktlich an der Grenze zu Estland hören wir auf einmal einen Funkspruch: Sailing Yacht in position.....with Speed of 5 Knots...und dann das ganze noch mal. Silja wird stutzig, Sailing Yacht? So viele Segelyachten sind hier nicht unterwegs...die Position? Oh, verdammt, die meinen uns. Aber auch hier eine freundliche Stimme am anderen Ende, die die üblichen Fragen stellt. Wo wollen wir hin? Wo kommen wir her? Welche Nationalität sind wir? Wir sind ein wenig verwundert, dass man uns von Coastguard überhaupt gesehen hat. Wir waren mitten auf dem Wasser, Land war kaum zu sehen. Naja, unser SeaMe (Aktiver Radarreflektor) scheint zu funktionieren und irgendwie ist es ja auch nettes Gefühl, zu wissen, dass man gesehen wird. Langsam aber sicher geht der Wind runter, die Richtung bleibt. Nach Spi fahren ist uns nicht zu Mute, also ziehen wir den Genaker und düsen weiter Richtung Kuressaare. Die letzten Meilen legen wir unter Motor zurück. Der schmale Kanal, der zum Hafen zu passieren ist, ist doch recht schmal und vor allem sehr flach. Aber es lohnt sich, hier einmal langzufahren. Man fährt durch flaches Wasser, gesäumt von Steinen, auf denen Möwen sitzen und alte Fischerräusen zu finden sind. Früher als erwartet, laufen wir in den kleinen Hafen ein. Der Hafenmeister steht schon auf dem Steg, signalisiert uns, dass wir liegen können, wo wir wollen. Außer uns befinden sich nur eine handvoll Motorboote im Hafen. Segelyachten sind noch nicht vorhanden. Wir erfahren, dass wir das fünfte Gastboot in diesem Jahr sind.
Wir sind regelrecht sprachlos. Das hatten wir nicht erwartet. Der Hafen ist komplett in Betrieb. Vom Hafenmeister bekommen wir eine nette Einweisung in Englisch. Wasser und Strom am Steg, Duschen, Toiletten und Waschmaschine im Sanitärgebäude, Abfallentsorgungsmöglichkeit, Wlan im Hafen und ein Restaurant auch direkt im Hafen. Und dem noch nicht genug, der Hafenmeister überrascht uns mit einem Paket an Informations- und Kartenmaterial zu Saarema und Kuressaare. Wahnsinn! Die Kellnerin aus dem Restaurant scheint unsere leicht hungrigen Blicke dann auch noch richtig zu deuten: ja, sie haben noch auf und wir können gerne noch etwas zu essen bekommen. Also schwingen wir uns schnell in ordentliche Klamotten und genießen ein leckeres Abendessen mit Blick auf Fritsjen und den Hafen. Es könnte uns schlechter gehen und die Aussicht hier den angekündigten Starkwind abwettern zu müssen, sorgt für gute Stimmung.
