In Helsinki bleiben wir nicht lange, wir wollen weiter und zudem haben wir die Stadt ja auf dem Hinweg nach St. Petersburg ausgiebig erkundet. Wäre da nur nicht der Wetterbericht. Es rauscht ein Tief nach dem anderen durch den finnischen Meerbusen. Schön, dass kaum ein Tag vergeht an dem nicht Böen bis 30 Knoten angesagt sind. Wir versuchen das beste draus zu machen und disponieren einfach ein wenig um. So brechen wir noch am Sonntag Nachmittag auf um nach Dragesviken auf der Halbinsel Porkala zu kommen. Es ist starker Wind aus Nordwest angesagt, doch in den Schären spüren wir davon recht wenig. Moderate Bedingungen erwarten uns und so kommen wir unter Segeln gut voran. Gegen Abend schnappen wir uns die einzig freie Heckboje und machen in Dragesvikken fest. Ein nettes kleines Nest mit Restaurant, Dusche, WC und Sauna für die Segler. Schön ist es hier. Nur ist der Abend schon recht fortgeschritten und wir wollen uns noch ein nettes Abendessen zubereitet. Deswegen fällt der Ortsrundgang aus, stattdessen gibt es Hühnchen mit Kartoffeln. Zu später Stunde verrät ein Blick nach draußen: es ist Nebel gekommen. Na, hoffentlich verschwindet dieser bis morgen früh. Wir wollen früh aufbrechen, denn für 12 Uhr mittags sind schon wieder 30 Knoten Wind angesagt. Deswegen wollen wir auch nur bis in den Barösund, das sind 18 Meilen und die sollten wir bis 12 Uhr hinter uns haben.

Doch als wir morgens aufwachen, ist er natürlich noch da, der Nebel. Wir machen uns trotzdem fertig und nach dem Frühstück haben wir den Eindruck es klart ein wenig auf. Deswegen machen wir uns trotz Nebel auf den Weg. Zudem ist die Navigation mit dem iPad in den Schären so hervorragend, dass wir auch bei Nebel keinerlei Probleme haben. Aufgrund des angekündigten starken Windes setzen wir nur die Fock und düsen los. Der Wind kommt idealer Weise von hinten und nach der ersten Stunde wird der Nebel auch weniger. Wie geplant kommen wir um die Mittagszeit im Barösund an, machen am Servicesteg fest und verrammeln das Schiffs erst einmal. Es stürmt und gießt und wir gönnen uns unter Deck ein Mittagsschläfchen und lesen - sehr gemütlich. Der Anleger am Barösund bietet zwar keinen Strom aber dafür nagelneue Toiletten, die man für 1 Euro benutzen kann, Waschmaschine und Trockner (Preis unbekannt - wir haben lieber nicht gefragt) und einen gut sortierten Supermarkt mit wirklich fairen Preisen. Benzin, Diesel und Heizöl (nein, das haben wir nicht getankt!) gibt es auch noch direkt von der Wassertankstelle. Trotz des eher herbstlichen Wetters versuchen wir einen Hauch von Sommer bei uns an Bord einkehren zu lassen: es gibt ein mexikanischen Abendessen: Tortillas. Sehr lecker.

Vom Barösund aus wollen wir direkt ins finnischen Segelmekka Hanko segeln. Deswegen wird wieder früh aufgestanden und dann geht es los. Der Wind ist deutlich schwächer, aber er kommt wieder von hinten. Zunächst geht es unter Groß los, zwischendurch muss der Motor ein wenig helfen, dann kommt der Genaker. Nachdem wir 2/3 der Strecke geschafft haben, wird es dunkel am Himmel. Mmmh, was wird das? Regen war erst für später angesagt. Gewitter? Dann kommt auch noch ein finnischer Motorbootfahrer wild gestikulierend an uns vorbei gefahren. Was hat das zu bedeuten? Natürlich sind wir nun auf dem Teilstück, wo das Gewässer wieder freier wird. Zuvor haben wir uns in den engen Schären bewegt. Wir entscheiden uns zu einem kurzen Stopp, wir wollen die dunklen Wolken passieren lassen. Es sind nur noch 1,5 Meilen bis Byxholmen, da wollen wir an einer Schäre festmachen. Gesagt, getan. Wir schnappen uns die Heckboje, nutzen die Haken in den Felsen und sind fest. Wir warten eine gute Stunde ab, dann scheint der meiste Regen durch zu sein. Gewitter war es auf jeden Fall nicht. Wenn wir nun schon hier sind, wollen wir uns die Schäre auch einmal genauer ansehen. Also springen wir an Land und erkunden den Felshaufen: hier gibt es außer ganz viel Natur auch eine Feuerstelle. In mitten des Waldes entdecken wir dann noch ein Trocken-WC. Und dem noch nicht genug, die Insel hat noch mehr zu bieten: eine kleine, frisch renovierte gemütliche Holzhütte ist am Ufer zu finden. Hier wartet eine nagelneue Sauna auf die Segler. Toll! Leider wollen wir heute noch weiter nach Hanko, denn für morgen ist schon wieder starker Nordwestwind angesagt und den wollen wir in Hanko abwettern. Insofern wird es nichts mit einem Saunagang. Wir müssen bzw. wollen weiter und das trotz Regen, der gerade mal wieder eingesetzt hat.

Wir setzen das Groß und segeln die verbleibenden 12 Meilen nach Hanko. Das Wetter wird besser, ab und an kommt die Sonne hervor aber kurz vor Hanko verlässt uns dann leider der Wind. Aber egal, der Motor funktioniert wieder und so bringt er uns die letzten drei Meilen in den Hafen. Dieser ist verdammt voll. Segelschiffe aus verschiedensten Ländern liegen hier. Auch einige deutsche Yachten entdecken wir! Willkommen im Segelmekka! Wir sind froh in der äußersten Ecke des Hafens noch eine leere Heckboje zu finden, machen Fritsjen fest und gönnen uns in dem Hafencafe ein üppiges Abendessen: Burger mit Pommes - aber das ist uns nur recht: wir sind hungrig und verdammt müde, aber zugleich glücklich in Hanko zu sein.