Wir setzen unsere Planung in die Tat um. Pünktlich um 6 Uhr klingelt der Wetter, wir klettern aus der Koje und springen noch schnell unter die Dusche - zum Aufwärmen. In der Nacht scheint es gefroren zu haben, an Deck entdecken wir Raureif und es ist verdammt glatt. Wir motoren mit aufgehender Sonne aus dem Hafen. Zunächst ist der Wind recht mau, das Groß will bei der Warnemünde Welle nicht recht stehen bleiben, so dass wir die ersten zwei Stunden nur einen Schnitt von 3,5sm pro Stunde machen. Dann aber kommt der versprochene Wind aus westlichen Richtungen zunächst mit bis zu 15 Knoten, dann auch schnell mit bis zu 20 Knoten. So kommen wir schnell voran! Unterwegs treffen wir hartgesottene Angler, die in einer kleinen Nussschale sitzend auf den großen Fang warten. Trotz Sonne ist es doch noch recht frisch und wir sind froh, ein wenig mehr Schiff um uns herum zu haben als diese beiden Angler. Wir rauschen am Darßer Ort vorbei. Treffen dort auf einen Segler der unter Motor direkt gegen den Wind fährt - was für ein unangenehmes Unterfangen muss das sein. Ein Schiff, nicht viel größer als Fritsjen, eine schön steile Welle, mittlerweile nahezu konstant 20 Knoten und dann unter Motor gegen den Wind zu fahren - Fahrstuhlfahren scheint dagegen nichts zu sein.

Wir wissen es leider schon aus dem Wetterbericht, die Sonne wird uns nicht den ganzen Tag begleiten und langsam aber sicher zieht es sich hinter uns zu. Wir schaffen es bis kurz vor das Fahrwasser von Hiddensee, dann ist es vorbei mit der Sonne und auch der Wind gibt nun wieder Gas. 20 bis 26 Knoten sind nun auf den Displays zu sehen. Wir motoren die letzten sieben Meilen im Fahrwasser, der Wind kommt eh von vorne, das Fahrwasser ist eng und wir kennen es beide noch nicht. Um 18 Uhr erreichen wir den kleinen Hafen Barhöft, finden für unseren Geschmack einen prima Liegeplatz - windgeschützt und ruhig. Schnell statten wir dem Hafenmeister noch einen Besuch ab, der uns mit den Worten begrüßt: Na? Da habt ihr euch ja eine Rentnerbox ausgesucht! Wir schauen uns etwas erstaunt an. Ok, dann liegen wir eben in einer Rentnerbox. Uns ist es gleich, wir sind froh nach über zehn Stunden auf dem Wasser hier zu sein. Die Temperaturen sorgen dafür, dass wir ziemlich k.o. sind. Schnell verkrümeln wir uns unter Deck, schmeißen die Heizungen an und nehmen erstmalig unseren Petroleumkocher in Betrieb. Es gibt Pasta und danach fallen wir müde aber glücklich in die Koje.

Natürlich haben wir auch auf dieser Strecke an Rasmus und Neptun gedacht, aber irgendwie scheinen wir sie mit unseren Gaben nicht begeistern zu können... Das Wetter spielt derzeit so gar nicht mit. Wollten wir doch gerne am Samstag in Vitte oder Kloster sein. Doch bei Regen, wenigen Plusgraden und wieder einmal sechs Windstärken (natürlich von vorne), ist uns nicht so recht danach zu mute. Schauen wir mal, ob es gegen Abend noch eine Wetterverbesserung gibt und wir dann doch noch aufbrechen.

Nach über 120 Seemeilen haben wir leider noch keinen Schweinswal gesehen - bei der Welle aber auch nicht unbedingt verwunderlich. Wir halten aber weiter die Augen auf!