Nachdem wir gut in der Fishboat Marina unter gekommen sind, erkunden wir zunächst mit Thoralf Kaliningrad. Die Marina liegt mitten in der Stadt, direkt im Hafen von Kaliningrad. Die Umgebung ist faszinierend - Kräne, große Frachtschiffe - das macht die Umgebung aus. In der Fishboat-Marina liegen wir an Schwimmstegen, haben Strom und Wasser und eine provisorische Toilette ist auch da - der Rest befindet sich noch im Bau, man entschuldigt sich mehrfach dafür, dass es noch nicht mehr gibt.

Thoralf nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die Stadt. Zeigt uns Bauten, die an die sowjetischen Zeiten erinnern, wir sehen noch einige wenige aus alter Königsberger Zeit erhaltene Gebäude und ganz neue Archtitektur in der Stadt. Es ist ein bunter Mix aus allem. Wir sehen nagelneue Einkaufszentren, einen alten Markt, der einem Basar gleicht, monumentale Bauten und Denkmäler und hässliche Wohnkomplexe mit verrosteten Balkonen. Ein wirklich spannender Mix. Thoralf erzählt von der aktuellen Diskussion über die Zukunft der Stadt - eher die alte Stadt wieder aufbauen oder eine neue, moderne errichten? Es gibt bereits Pläne für den Wiederaufbau des Schlosses und des Kneiphofes, aber es ist alles noch in der Diskussion. Was uns sehr positiv auffällt sind die Einwohner der Stadt. Wir fühlen uns hier willkommen. Alle sind freundlich und während der Kanalfahrt werden wir sogar von einigen am Ufer freudig begrüßt und sogar zum Bier eingeladen.

Auch in Kaliningrad ist der Frühling, fast Sommer eingekehrt, und so entführt uns Thoralf am Nachmittag an die Küste. Wir lernen den Kurort Rauschen kennen und schauen uns den Hafen Pionersk an, den wir eigentlich geplant hatten auf dem Weg nach Klaipeda anzulaufen. Dies geht aber leider nicht, den Hafen könnten wir anlaufen, aber ausklarieren können wir hier nicht - das geht nur in Baltijsk. Der Tag neigt sich dem Ende und wir sind voller Eindrücke, und am Schiff erwartet uns eine kleine Überraschung - alles ist schwarz von Staub! Gegenüber am Kai wird gerade ein Schiff mit schwarzem Kies beladen, die Luft ist grau vom Staub. Dafür liegt die Marina eben nah an der Stadt...

Am Sonntag können wir uns spontan einer kleinen Reisegruppe aus Hamburg anschließen - die Gruppe ist kleiner, als erwartet, und so ist noch Platz für uns im Bus. Es geht auf die kurische Nehrung, die russischen Seite - was für ein Glück, wir hatten nicht erwartet, diesen Teil sehen zu können! So sehen wir die Vogelwarte mit ihren riesigen Fangnetzen, sehen der Beringung eines Zilpzalps zu, spekulieren über den tanzenden Wald, in dem Fichten seltsame Schleifen drehen - und niemand weiß, warum... Dann geht es auf die höchste Düne auf der russichen Seite, die Epha-Düne. Faszinierend ist, dass die Nehrung früher fast ausschliesslich aus Sand bestand und die Dörfer regelmäßig verlegt werden mussten, da die Dünen sie immer wieder verschütteten... Bis man einen Weg fand, die Dünen durch Bepflanzung und Schutzwälle zu sichern. Heute gibt es nur noch vier Sandgebiete auf der gesamten Nehrung.

Den Abschluss bildet der Besuch eines kleinen Restaurants in Rossitten und der alten Kirche des Dorfes - früher evangelisch, in sowjetischer Zeit Trockenraum für Fischernetze, heute eine orthodoxe Kirche. Diese Gegend ist wirklich ein faszinierender Mix aus allem, und man merkt an allen Ecken und Enden, das man auf der Suche nach einer Identität ist, als russisches Sondergebiet inmitten der EU eher europäisch geprägt, aber doch mit russischem Selbstverständnis.

Auch wenn Kaliningrad ein wenig abseits der Ostsee-Rund-Route liegt - der Kanal ist mit 20 Seemeilen recht lang - hat sich der Umweg in jedem Fall gelohnt. Eine solche bunte und quirlige Stadt mit all ihren Gegensätzen und den so freundlichen Menschen findet man nicht überall!