Wir müssen feststellen, immer wenn wir Besuch an Bord hatten, war das Wetter bedeutend besser, als wenn wir alleine unterwegs sind. Wie gut, dass sich Kolja für die letzten Wochen angekündigt hat. Hoffen wir mal, dass er so früh wie möglich kommt, dann wird das Wetter wieder erträglich. Wie auch Frank und Doro von der Julius festgestellt haben, scheint Besuch an Bord tatsächlich Einfluss auf das Wettergeschehen zu haben. Zwar ist dann auch nicht nur Honigschlecken angesagt, aber man kann damit leben und vor allem segeln.
Wir sind derzeit dabei und gewöhnen uns zwangsweise an den Herbst und seine Launen. Nach 24 Stunden Dauerregen in Nynäshamn sind wir vorgestern zunächst bei Flaute aufgebrochen nach Oxelösund. Und wieder einmal waren mehr als 20 Knoten von vorne angesagt. Aber wir haben es nun auch verstanden, Luxussegeln ist vorbei, ab jetzt geht es dann auch bei diesen Bedingungen weiter. Der Wetterbericht kündigt für die nächsten Tage starke südwestliche Winde an und so wollen wir weiter damit wir diese ausnutzen können um an der Küste gen Süden zu segeln. Wir entscheiden uns für das innerschärische Fahrwasser, da wir von den Vortagen noch eine ordentliche Welle aus Südost erwarten. Da wir zunächst Flaute haben, motoren wir und das bleibt dann leider den ganzen Tag auch so. Wenn Wind da war, kam er direkt von vorne und das Fahrwasser war teilweise alles andere als breit. Wir gingen der Annahme, dass der Wind noch richtig aufdrehen würde, denn es waren ja 20 bis 25 Knoten angesagt. Doch irgendwie blieb dieser Wind aus, kurz vor Oxelösund war er dann wieder ganz weg. Wir waren zwar nicht happy über die zusätzlichen Motorstunden, aber immerhin froh einen Schritt weiter zu sein. So mühsam wie wir uns von ganz im Norden nach Stockholm vorgearbeitet haben, scheint es nun weiter zu gehen nur unter verschärften Bedingungen: die Windstärke ist deutlich höher, der Regen deutlich häufiger und kräftiger und die Temperaturen sehr viel erfrischender. Auch wird es pünktlich um 20 Uhr wieder dunkel und unter Deck haben wir mit einer Feuchtigkeit zu kämpfen, wie wir sie bisher noch nicht kannten. Man darf wirklich nichts unbedacht herumliegen lassen. Hatten wir doch in der Nacht unser schwedisches Hafenhandbuch offen auf der Navigationsecke liegen gelassen, so liegt es nun vor dem Heizlüfter und wir bemühen uns die einzelnen Seiten zu trocknen. Das Kondenswasser tropft von überall her, die Feuchtigkeit ist überall und nach den 24h Dauerregen sind natürlich auch einige Klamotten von uns noch nass, die aber einfach nicht trockenen wollen. Einzige Chance: anziehen. Aber das ist nun nicht wirklich das angenehmste
Trotz starken Windes machen wir uns weiter auf den Weg gen Süden: es soll ins nur 15 Seemeilen entfernte Arkösund gehen. Es wird zunächst ein Motoren gegen Wind und Welle. Wir hassen es beide, aber ein Kreuzen im engen Fahrwasser bei 24 Knoten, nein, dazu ist uns beide nicht zu Mute. Die zweite Hälfte der Strecke legen wir dann nur unter Fock zurück. Wir fahren über fünf Knoten, da verzichten wir dann aufs Groß. Wir hatten schon erfahren, dass es in Arkösund eine neue Marina, die Promarina, gibt, die für 280 SEK ein "All inclusive"-Paket anbieten sollte: Strom, Wasser, Liegeplatz, Internet, Dusche, Sauna und Hilfe beim Anlegen. Tja, von der Hilfe sahen wir nicht viel, überhaupt war mal wieder alles verschlossen und außerdem war der Clubanleger des NSS viel geschützter. Also gingen wir an den Club-Steg und erkundeten das nahegelegene Gelände, denn auch hier schien es wieder einmal verlassen zu sein. 220SEK soll es hier kosten. Eingeschlossen darin: Sauna, Open-Air-Dusche (vermutlich kalt), Toilette in gefühlten 1km Entfernung, Strom und Wasser (irgendwo an Land). Dafür fanden wir auch die 220SEK ganz schön viel Geld. Naja, bisher ist hier niemand erschienen. Wir erkunden Arkösund, doch viel gibt es nicht zu erkunden. Alles hat zu, das Restaurant schließt um 17 Uhr, der Supermarkt um 15 Uhr. Es fällt uns wirklich schwer zu glauben, aber es scheint, dass nach der Hauptsaison keine Nebensaison mehr kommt, sondern einfach nichts mehr. Die Gästehäfen sind absolut leer, die meisten Läden sind so verrammelt, dass man das Gefühl bekommt, es ist alles schon winterfest gemacht. Eigentlich fehlen jetzt nur noch die ersten Schneeflocken…dabei ist es - trotz allem Gemecker unsererseits - im Windschatten in der Sonne ganz gut erträglich. Für uns an sich noch kein Grund alles dicht zu machen: wir finden eine Nebensaison hätte doch durchaus ein wenig Berechtigung... und wenn es nur für uns ist;-)
Wir sind mal wieder - oder immer noch - erschöpft und haben keine Lust zu kochen. Und wir finden tatsächlich noch einen Kiosk, der offen hat. Danach geht es wieder an Bord: wir müssen ein wenig putzen, denn die Unmengen Kondenswasser sorgen für eine schnelle Schimmelbildung und der wollen wir ein Ende setzen. Außerdem wird wieder alles in Plastiktüten verpackt und möglichst wasserdicht verstaut. Dann starten wir den gemütlichen Teil des Abends: wir beginnen mit einer Lesestunde und gönnen uns dann einen Film. So lenken wir uns ein wenig von dem ab, was uns wirklich bedrückt - das Wetter bzw. viel mehr der Wind. Susanne von der SY Sieben schreibt: "werde vermutlich bis Freitag eingeweht sein...". Tja, wir haben auch das Gefühl, dass bis Ende der Woche der Wind einfach nicht weniger werden will. Aber was soll's. Wir haben beschlossen, trotz starken Windes weiterzumachen: immer nur wenige Meilen und dann halt im 2. Reff oder nur unter Fock oder Groß.
Wir werden gleich nach Fyrudden aufbrechen. Es sind 20 Seemeilen in südliche Richtungen. Wir fahren wieder immer innerschärischen Bereich und hoffen, dass wir dort gut ankommen werden ohne allzu viel Welle und Wind von vorne.
