Seit einer Woche sitzen wir in Karlskrona und warten auf ein Wetterfenster, das uns angenehme Segelwinde auf unserem weiteren Weg gen Süden bzw. Südwesten beschert. Aber, nun haben auch wir es begriffen, darauf können wir lange warten. Ja, Uwe, du hast recht, es zeichnet sich für nächste Woche eine Ostwind-Periode ab. Aber ob die wirklich kommt? Schon so oft sahen wir ein Wetterfenster und binnen sechs spätestens zwölf Stunden war es einfach verschwunden. Schön, dass so aus Nordwest zehn bis 15 Knoten ganz schnell mal wieder Südwest 20 bis 28 Knoten werden. Auch haben wir die Strategie von Frank und Doro versucht, nur zwei Wetterdienste zu beachten, aber selbst das hat nichts genützt, es tat und tut sich kein Wetterfenster auf. Dabei erwarten wir ja gar nicht, dass Windrichtung und -stärke passen, wenn wenigstens eine Komponente unseren Wünsche entsprechen würde...

Immer wieder tauchen hier ein paar Schiffe im Hafen auf, i. d. R. um die 40 Fuß und eher aus Polen oder Finnland. Sie sind dann auch nach ein bis zwei Tagen wieder unterwegs. Vielleicht sollten wir auch einfach unsere Richtung ändern? Ein deutsches Ehepaar mit einer Dehler 36 ist heute morgen abgereist - per Bahn. Das Schiff lassen sie hier und es wird wohl auch hier ins Winterlager gehen. Sie sahen kein Wetterfenster mehr um das Schiff nach Hause, nach Kühlungsborn zu bringen. Ein anderer Deutscher mit einem ähnlich kleinen Schiff wie wir liegt seit geraumer Zeit mit uns im Hafen. Auch er scheint nicht glücklich. Er ist alleine unterwegs und will in jedem Fall erst einmal nach Westen - also Richtung Hanö - und dann an der Küste entlang gen Süden. Schön, dass wir seit einer Woche nur Winde aus Süd, Südwest und West hatten.

Aber wir wissen es zu schätzen hier in Karlskrona liegen zu können. Wir haben alles was wir brauchen und noch hat der Hafenmeister auch nicht den Strom abgestellt, obwohl er allen ankommenden Yachten per Telefon mitteilt, dass der Hafen "stängt" ist und auch die Toiletten und Duschen nicht mehr geöffnet haben. Gut, dass sich der Pincode immer wieder rumspricht und so alle noch in den Genuss von diesen Einrichtungen kommen.

Wir haben in den letzten Tagen immer wieder ein Mix-Programm aus Sightseeing, Lesen und Relaxen an Bord und Pläuschen halten im Hafen abgespult. Und, selbstverständlich, haben wir dafür gesorgt, dass das Varmbadhuset auch in den Vormittagsstunden ein paar Kunden hatte. Wir waren auf Aspö, einer kleinen Insel vor Karlskrona mit einem Kastell. Leider ist auch auf dieser Insel bereits alles geschlossen. Wir radelten den 9 km langen Inselrundweg vorbei am geschlossenen Kastell, am geschlossenen Cafe und an einer geschlossenen Galerie. Aber nett war es trotzdem, die Straßen sind klein und beschaulich, überall entdecken wir nette Häuser und viel Wald. Wir machen einen Stop beim ICA nära. Hier trotzen wir dem Wetter - wie gewohnt windig, kühl und leider auch regnerisch - und gönnen uns ein Eis. Oftmals haben wir allerdings - das müssen wir zugeben - einfach traumhaftes Herbstwetter, wenn wir den Wind einmal außen vor lassen. Es ist strahlend blauer Himmel und im Windschatten ist es angenehm warm. Nur dieser eisige und kräftige Wind stört ein wenig. Wir radeln auf die Inseln Saltö und Dragsö und entdecken auch hier wieder zahlreiche schöne Holzhäuser, viele Bootsanleger und einen großen Campingplatz, der einen attraktiven Minigolf-Platz anzubieten hat. Hier findet man Karlskrona in Miniatur-Ausgabe und spielt zwischen und durch die sehenswerten Gebäude.

Heute beenden wir nun unsere Badekultur. Jan war noch einmal zum Saildrivecheck im Wasser - im kühlen Wasser. Alles sieht gut aus, die Schrauben sind noch fest. Das wird wohl der letzte Check bis Kiel gewesen sein, denn so langsam sind auch die Wassertemperaturen lausig kalt. Deswegen ging es nach dem kühlen Bad auch noch ein letztes Mal ins "Övre Bassin" mit dem Whirlpool und der Sauna. Zuvor gab es noch ein paar Nahrungsmittel von dem Ehepaar, das heute per Bahn abgereist ist. Sie haben uns ihre Essensvorräte überlassen. So sind unsere Vorräte an Zwiebeln, Kartoffeln, Obst, usw. wieder aufgefüllt. Vielen lieben Dank! Wir nutzen noch einmal die Chance auf die kostenlose Waschmaschinen- und Trocknernutzung. Wer weiß, ob und wann wir noch einmal die Chance bekommen auf der Reise zu waschen.

Morgen soll es dann für uns weitergehen - das ist die Hoffnung. Wir werden unsere bisher altbewährte Strategie wieder ausbuddeln: kurze Schläge kämpfen, Pause und dann wieder einen kurzen Schlag kämpfen, usw. Und vielleicht kommt dann ja doch noch mal eine Phase mit angenehmen Segelbedingungen, wer weiß...