Was war das mal wieder für ein Tag! Am gestrigen Donnerstag sollte Fritsjen gekrant werden und der Motor wieder in Stand gesetzt werden. Tags zuvor hatten wir extra schon den Mast gezogen, denn hier ist ein Kranen mit Mast nicht möglich. Überhaupt können wir von Glück reden, das Fritsjen so leicht ist. Der Kran ist für 3 bzw. 5 Tonnen zugelassen. Und da der Arm des Kranes genutzt wird, sind es vermutlich nur die 3 Tonnen. Gut, dass Fritsjen gewichtsmäßig dadrunter liegt.

Um 9 Uhr sollte ein Motorboot gekrant werden, welches von dem gleichen Mechaniker gewartet werden sollte wie Fritsjen. Wir schauen um 9 Uhr zum Kran um uns schon mal ein Bild vom Kranen zu machen. Der Finne, dem das Motorboot gehört, kam alleine und lediglich Kranchef Mathias war vor Ort. So konnten wir direkt mit helfen. Lagerböcke gibt es hier im Hafen nicht und so sollten die Reparaturen im Kran hängend durchgeführt werden. Allerdings erwies sich die für ein bis zwei Stunden angesetzte Reparatur beim Motorboot als weit aus zeitaufwendiger. Der Motor war nicht mehr ganz neu und so saßen alle Schrauben fest, die hätten gelöst werden sollen. Wir schauten also dem Mechaniker zu - muss auch ein tolles Gefühl sein, einer arbeitet und fünf bis sechs schauen zu..., und versuchten uns irgendwie die Zeit zu vertreiben. Hoffentlich wird das alles noch was am heutigen Tage - das waren unsere Gedanken. Aber um etwa 15 Uhr war das Motorboot dann doch fertig und wir wurden zum Kran geschleppt. Es war ein wenig Austesterei bis denn das Gestell und die Gurte so angebracht waren, dass Fritsjen ansatzweise gleichmäßig im Kran hing. Natürlich nahm der Wind genau in dem Moment zu, als wir unter dem Kran lagen. Super, und dann soll Fritsjen frei im Kran schweben und die Reparatur soll durchgeführt werden...das kann ja was werden... Ganz behutsam hebt Mathias Fritsjen aus dem Wasser. Kaum ist der Saildrive zu sehen, hört man von Jan nur: Oh je, das hätte aber auch schlimmer ausgehen können. Silja steht am Bug und führt die Vorleine und fragt sich, was er meint?!?! Wir wollten doch den Impeller tauschen und ob dieser kaputt ist oder nicht, sieht man ja nicht von außen? Was war nun also wieder los? Die Frage ist schnell beantwortet: es hatte sich das untere Teil des Saildrives gelöst und hing nun nur noch an der Schaltstange... wenn wir das Teil verloren hätten... dann hätten wir hier sicher in Vasa einen sehr, sehr langen Stopp einlegen müssen. Aber es war noch dran und so setzte Mathias Fritsjen vorsichtig mit dem Kiel auf ein paar Hölzer ab, wir fixierten Fritsjen mit zwei Vorleinen und einer Achterleine so gut es ging. Wir fragen uns zwar bis heute, wie sich diese vier Schrauben haben lösen können, aber sie waren einfach weg.

Jan wechselte schnell den Impeller, der Mechaniker ebenso schnell das Getriebeöl. Nun war noch das Problem, die Schaltstange wieder zu montieren, so dass auch der Vorwärts- und Rückwärtsgang funktionierte. Das war ein wenig Fummelarbeit und nahm auch ein bisschen Zeit in Anspruch, doch es hielt sich im Rahmen. Die fehlenden Schrauben wurden ersetzt und mit Loctite eingesetzt! Wir hoffen, das hält! Nach geschätzten 1,5 Stunden konnte Fritsjen wieder ins Wasser. Wir probierten den Motor und wieder kam kein Wasser! Was für ein Schreck! War nun alles umsonst gewesen? Hat der Motor doch mehr Schaden angenommen als wir vermuteten, dadurch, dass wir mit dem losen unteren Saildrive vermutlich noch 20 Seemeilen gesegelt sind....Nein, der Fehler ist schnell gefunden. Das Ventil war zu. Puhhh, es ist vollbracht. Der Motor läuft wieder. Nun muss nur noch der Mast gestellt werden. Mittlerweile sind wir ein wenig k.o., denn wir sind seit 9 Uhr auf den Beinen und eigentlich nur am rumlaufen und rumwirbeln - essen und trinken haben wir dabei schlichtweg vergessen. 

Doch Mathias ermahnt uns, wir sollen den Mast unbedingt heute noch setzen. Heute gibt es nur Schauer, morgen wird es mehr Regen geben. Ok, das ist ein ausschlaggebendes Argument. Und so bereiten wir den Mast zum stellen vor, holen uns noch einen finnischen Segler zur Hilfe. Alles läuft ganz entspannt und problemlos trotz des Windes. Der Kran zum Mast stellen ist einfach ein Traum. Alles geht ohne große Kraftaufwendungen, man braucht keine Angst um Windmesser oder Verklicker im Topp zu haben, der Mast reicht gar nicht soweit hoch. Und so ist der Mast schnell gestellt. Wir fangen an und bringen die Fallen wieder an, den Baum, Baumniederholer und alle weiteren "Strippen".

Doch irgendwann verschwinden auch die letzten Kräfte. Wir haben Hunger und sind geschafft. Wir wollen eine Pizza bestellen, doch hier in Vasa ist es schwer einen Pizzaservice zu finden, der liefert. Entweder liefern sie nicht oder erst ab fünf Pizzen - und so viel wollten wir nun auch wieder nicht essen. Doch den Nachtwächter und seine Frau haben wir mit unserer Frage nach einem Pizzaservice vermutlich auf den Geschmack gebracht. Sie fahren und holen Pizza! Was für ein Traum. Kurze Zeit später sitzen wir neben dem fertig reparierten Fritsjen auf dem Steg und essen Pizza! Und nun kommt auch wieder die Sonne zum Vorschein - ein toller Abend und wir sind geschafft, aber total glücklich!

Tags zuvor hatten wir uns in Vasa ein wenig umgesehen. Schließlich ist ja Vasa Kiels Partnerstadt und da müssen wir nun schon ein wenig Sightseeing machen. Mit den Rädern ging es in die Stadt. Ab und an findet sich ein nettes Gebäude, wir entdecken den großen Marktplatz und die Markthalle, die aber leider schon geschlossen ist. Wir statten dem einzigen Segelladen einen Besuch ab. Und - oh, Wunder - er ist verdammt gut ausgestattet. Wir kaufen eine neue Pumpe. Denn hinter dem Motorbereich sammelt sich immer mal wieder ein wenig Regenwasser (warum auch immer) und unsere alte Pumpe wollte dieses nicht mehr herausbefördern.

Ansonsten verbringen wir natürlich viel Zeit im Segelclub, wo wir ausgesprochen nette Kontakte zu finnischen Seglern knüpfen. Heute morgen brachte uns jemand einen Öl-Extraktor vorbei, damit wir auch noch den Ölwechsel machen können. Ausgesprochen nett. Gestern halfen uns immer wieder einige Segler und vorgestern lernten wir besonders "harte" Finnen kennen. Sie saßen bei Regen in Ölzeug - diese gelben Klamotten - im Cockpit und bereiteten ihr essen zu......