Mit satten 27 Knoten düsen wir von Visby nach Oskarshamn. In nur drei Stunden sind wir wieder auf dem schwedischen Festland. Fritsjen liegt unversehrt und gut vertäut an seinem Liegeplatz. Der Hafen wirkt um 20 Uhr wie ausgestorben, nur wir scheinen noch dort zu sein. Es scheint sich auch keiner daran gestört zu haben, dass anstelle von Uwes Schiff nun Fritsjen die letzten drei Tage in der Box gelegen hat. Wunderbar für uns, denn so blieb uns das Hafengeld für vier Nächte erspart. An dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank an Uwe!
Für uns geht es von Oskarshamn früh morgens wieder hinein in die Segelwoche. So langsam ist es müßig darüber zu schreiben, aber natürlich löst die Windvorhersage mal wieder keine Jubelstürme bei uns aus. Aber - wir wollen uns nicht beschweren - immerhin finden wir segelbare Zeitfenster. D.h. für uns, früh ablegen damit wir vor dem starken Wind wieder im Hafen sind. Wir wollen nach Borgholm auf Öland. Als wir in Oskarshamn auslaufen macht sich zunächst Nebel breit und der Wind ist nicht wie angekündigt mäßig, sondern eher schwach und teilweise bleibt er ganz weg. So kommen wir mal besser und mal schlechter voran. Natürlich steht uns eine Kreuz bevor. Aber, die Sonne scheint, es ist recht warm und wir genießen das Segeln. Allerdings ist die Stimmung leicht gedämpft, denn wir wissen, der Wind kommt. Und so ist es auch. Fünf Meilen vor dem Hafen brist es auf, wir binden das erste Reff ins Großsegel und kämpfen uns gegen die mittlerweile steile und unangenehme Welle voran. Wir sind froh, als wir den Hafen von Borgholm erreichen - er ist gut geschützt. Zu unserer Verwunderung treffen wir mal wieder auf eine deutsche Yacht. Sie haben die kleine Ostseerunde hinter sich und sind nun ebenfalls auf dem Weg nach Hause. Von ihnen erfahren wir auch, dass im Liegeplatzpreis die Pool- und Saunabenutzung des angrenzenden Hotels enthalten ist. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Der Stadtbummel wird zügig absolviert - uns gefällt es hier. Borgholm ist ein nettes kleines Städtchen, im Sommer sicher belagert von Touristen, aber zur Zeit angenehm leer. Zudem soll, so lesen wir in einer der vielen Imagebrochüren, die sich hier scheinbar jedes noch so kleine Städtchen leistet, der König hier seinen Sommerwohnsitz haben. Gefunden haben wir ihn nicht, ok, auf die Suche haben wir uns auch gar nicht begeben... Immerhin, bei der Anfahrt auf Borgholm sticht einem sofort die recht gigantische Schlossruine entgegen. Zudem gibt es eine kleine Einkaufsstraße, zahlreiche Restaurants, Cafés und Bars. Wir statten dem ICA noch schnell einen Besuch ab und dann geht es zügig zurück zum Hafen um dann den Pool zu testen. Wir haben den Pool und die Sauna für uns. Herrlich! Wir genießen das Bad im recht frischen Wasser und danach die Sauna sowie die richtig warme Dusche.
Am Dienstag geht es für uns wieder früh weiter, um 7.15 Uhr sind die Leinen in Borgholm losgeworfen. Wir haben dieses Mal nur ein Wetterfenster von drei, maximal vier Stunden, dann soll der Wind kommen. Obwohl unheimlich tolle Bedingungen mit Herbstflair herrschen - Sonne, es ist warm und der Wind weht mit drei Beaufort - verzichten wir auf das Kreuzen. Wir nutzen unseren Motor um bei für uns noch motorbaren Bedingungen nach Kalmar zu kommen. Trotz unseres Innenborders können wir nur bei leichten Bedingungen motoren. Sobald eine Welle entsteht, werden wir nur aufgestoppt und würden mit weniger als zwei Knoten vorankommen. Da für morgen und übermorgen gute Bedingungen angesagt sind, wollen wir sie nutzen, um den Kalmarsund hinter uns zu lassen. Denn danach ist schon wieder derart starker Wind angesagt, dass wir vermutlich nicht segeln können. Wie geplant sind wir schon vor 12 Uhr in Kalmar. Hier wollen bzw. müssen wir auch einiges erledigen: wir müssen dringend waschen und Benzin bunkern. Außerdem wollen wir auch unsere Essenvorräte aufstocken, denn mittlerweile besteht ja doch die Gefahr, dass wir mal für zwei oder drei Tage in einem Hafen hängen bleiben. Und wenn das ein kleiner ist, dann haben wir vermutlich nichts an Infrastruktur. Der Hafen ist ungewohnt voll. Wir sehen hier viele, die wir schon in Stockholm oder unterwegs südlich von Stockholm gesehen haben. Viele scheinen aber auch ihr Boot hier zu lassen. Die Hälfte der Boote ist bereits mastlos. Nach unseren Besorgungen haben wir noch ausreichend Zeit für einen Stadtbummel: Es geht zur Domkirche, durch die kleinen Einkaufsstraßen und zum Schloss in der Gamla Stan. Auch hier finden wir es ausgesprochen schön.
Morgen geht es bei uns weiter gen Süden. Leider ist der angekündigte Westwind zu einem Südwestwind geworden, so dass wir vermutlich wieder eine 28 Seemeilen lange Kreuz vor uns haben werden. Wir werden wieder früh die Leinen loswerfen und hoffen, dass die Süddrehung sich ganz viel Zeit lässt.
