Wir haben ja doch nicht mehr ganz daran geglaubt, aber wir haben es geschafft, wir sind in Kerteminde! Von Agersö ging es bei halben bis raumen Winden von 20 bis 23 Knoten in einer wahren Rauschefahrt nach Kerteminde. Wir sind glücklich, dass der Wind nicht von vorne kommt. Dennoch könnten wir auf den eiskalten Regen und die vielen grauen Wolken durchaus verzichten. Mittlerweile haben wir gelernt mit den derzeitigen Wetterbedingungen umzugehen. Den Wetterbericht prüfen wir akribisch von diversen Anbietern, doch schauen wir nur sehr begrenzt in die Zukunft. Ein bis zwei Tage, maximal drei. Ansonsten verdirbt man sich nur die Stimmung. Die vorherrschende Windrichtung kennen wir ja: Südsüdwest, Südwest oder Westsüdwest. Die Stärke kennen wir auch: um die 20 Knoten. Insofern schauen wir immer wieder nach einem kurzen Wetterfenster, in dem sich für uns ansatzweise günstige Segelbedingungen ergeben. Und die nutzen wir dann - egal ob es regnet, eiskalt, hell oder dunkel ist. Und bisher klappt es so ganz gut. Außerdem haben wir von Frieder - einem Einhandsegler ebenfalls auf dem Nachhauseweg - gelernt: das gelassene Zurechtkommen mit den derzeitigen Wetterbedingungen ist ein Zeichen wahrer Spiritualität. Na dann... So regen wir uns auch nicht darüber auf, dass wir seit geraumer Zeit Probleme mit dem Zündschlüssel haben. Jetzt scheint er seinen Geist ganz aufgegeben zu haben - gut, dass wir in Kerteminde sind, wo sich direkt am Yachthafen ein großer Schiffsausstatter befindet. Wir werden kreativ und ersetzen den Zündschlüssel durch ein paar "Knöpfe".
Kerteminde ist für uns ein weiterer Höhepunkt der Reise, denn hier befindet sich das Fjord und Baelt Center und diesem wollen wir unbedingt einen Besuch abstatten. Das Fjord und Baelt Center ist ein Forschungs- und Erlebniscenter. Hier findet man interessant aufbereitete Informationen über das Leben unterhalb des Meeresspiegel in dänischen Gewässern. Und hier wohnen drei Seehunde und vor allem vier Schweinswale: Freya, Eigil, Sif und Frigg Amanda. Und sie wollen wir natürlich besuchen! Hier in Kerteminde wird umfangreich mit den Schweinswalen geforscht. Es wird u.a. getestet, welche Geräusche sie unter Wasser wahrnehmen und wie ihr Gehör darauf reagiert. Außerdem wird momentan erforscht, ob Schweinswale ähnlich wie Haie elektromagnetische Wellen wahrnehmen können. Eine der wichtigsten und weiter andauernden Projekte befasst sich mit Möglichkeiten, die Schweinswale vor Fischernetzen zu schützen, z.B. durch akustische "Pinger" in den Netzen oder durch spezielle Beschichtungen. Nur hier gibt es die Möglichkeit, solche Verfahren zu testen, denn hier leben die einzigen Ostsee-Schweinswale in einer Forschungseinrichtung. Wir danken dem Fjord und Baelt Center für seine tolle Arbeit und können allen Ostsee-Reisenden einen Besuch in Kerteminde nur wärmstens ans Herz legen!
Dank unserer Kooperation mit dem Deutschen Meeresmuseum bekommen wir die Möglichkeit ein wenig hinter Kulissen zu schauen und auch den Schweinswalen näher zu kommen. Die Tiertrainerin Camilla berichtet uns über die laufenden Forschungsaktivitäten, über das Trainingsprogramm und natürlich über die vier Schweinswale und deren Charaktere. Frigg Amanda ist in Kerteminde geboren und zeigt sich sehr neugierig allen Dingen gegenüber. Und ihr dürfen wir dann nach der offiziellen Trainingssession auch näher kommen. Sie bekommt von uns Fisch, wir streicheln ihren Rücken, die Rückenflosse und den Bauch und lassen sie mit einem Basketball spielen, den sie uns wieder zurück bringt. Toll! Wir alle drei sind vollkommen begeistert und freuen uns, dass wir so viele weitere Informationen erhalten. Silja freut sich endlich wieder das Schnaufen der Schweinswale hören zu können. Ganz lieben Dank an Jens, es war ein einmaliges Erlebnis für uns drei!
Weiter erfahren wir, dass sich das neueste Forschungsprojekt des Fjord und Baelt Centers den Kormoranen widmet. Und auch hier erhalten wir die Möglichkeit die Trainerin bei ihrem Training begleiten zu dürfen. Und so lernen wir Luca kennen, den männlichen Kormoran und einen weiteren weiblichen Kormoran, der erst seit kurzer Zeit zum Fjord und Baelt Center gestoßen ist. Beide sind unheimlich putzig anzusehen, verbergen sich doch hinter dem Federkleid scheinbar recht eigenwillige Persönlichkeiten. Erstmals wird hier bei Vögeln das akustische Wahrnehmungsvermögen unter Wasser erforscht. Auch ein äußerst spannendes Projekt!
Für den morgigen Tag sind mal wieder Winde deutlich jenseits der 20 Knoten angesagt und da wir es nicht wirklich eilig haben, bleiben wir noch hier. So haben wir die Möglichkeit morgen nochmals die vier Schweinswale besuchen zu können. Eventuell verlängern wir unseren Aufenthalt auch noch bis Montag, denn dann haben wir die Möglichkeit zwei wissenschaftliche Mitarbeiter vom Fjord und Baelt Center kennenzulernen - von ihnen würden wir sicher noch weitere Informationen zur Schweinswalforschung erhalten. Doch das müssen wir leider vom Wetter abhängig machen, denn am 13.10. wollen wir nun definitiv zu Hause sein und damit den tierischen Segelsommer beenden.
