Was wir eingangs nur aus Spaß formuliert hatten - auf den Spuren von Wallander - hat sich doch tatsächlich bewahrheitet. Wir sind in Ystad angekommen und statten - leider im strömenden Regen - der Touristinfo einen Besuch ab. An sich wollten wir nur erkunden wie Kolja am besten von Trelleborg nach Ystad kommt. Doch kaum sind wir in der Touristinfo werden wir nahezu von Kurt Wallander überfallen. Alle Krimis gibt es in schwedisch, deutsch und englisch und wir finden Bücher und Flyer mit dem Titel "Auf Wallanders Spuren". Für den Montag haben wir uns nicht viel vorgenommen. Wir machen nur einen kurzen Inspektionsrundgang. Ansonsten lädt das Wetter eher zum Verweilen unter Deck ein. Es ist kalt, stürmt und regnet. Deswegen lesen wir mal wieder, lassen beide Heizlüfter auf Vollgas laufen, ärgern uns über die Regentropfen von der Decke und lassen uns geräucherten Lachs und Kartoffeln schmecken. Es ist einfach gruselig: draußen ist es eisig kalt, unter Deck ebenso und die Heizlüfter und unsere Existenz sorgen einfach für so viel Feuchtigkeit, dass man überhaupt nicht mehr weiß, wo man sich selbst hinsetzen soll, geschweige denn irgendwelche Klamotten ablegen soll. Oh je, wie soll das nur werden, wenn wir zu dritt sind? Da können wir nur hoffen, dass es so ist wie bisher: wenn Besuch da ist, wird das Wetter besser.
Die Nacht ist recht unruhig, es pfeift ordentlich im Rigg und ab und an scheint auch eine Welle in den Hafen zu schwappen - zumindest tanzt Fritsjen teilweise ganz gut.
Am Dienstag morgen sieht es dann aus, als wäre nichts gewesen. Das Wasser im Hafen ist spiegelblank, der Wind ist komplett verschwunden und die Sonne lugt hervor. Was für eine Wohltat. Wir haben allerdings genug vom nassen Schiff - auch an Deck ist noch alles richtig nass - und suchen erst einmal das Weite. Genauer gesagt ein Cafe. Hier finden wir für wenig Geld ein ausgezeichnetes Frühstück. Wir hätten nie gedacht, dass es so etwas in Schweden noch mal gibt! Für nur 50 SEK (das sind weniger als 6 Euro) ein Heißgetränk nach Wahl und ein Riesen-Brötchen mit einem Berg Gemüse, Käse, Aufschnitt und Marmelade. Wahnsinn! Wir genießen das Frühstück, sitzen in der Fußgängerzone und freuen uns über einige Sonnenstrahlen. Dann begeben wir uns tatsächlich auf die Spuren von Wallander und machen einen historischen Stadtrundgang. Wir sind begeistert von Ystad. Ein kleines Städtchen mit niedlichen kleinen Häusern, Fachwerkhäusern, einem Kloster und unzähligen kleinen Gassen. Ystad hat viel zu bieten: Ystads Theater ist das besterhaltene Theatergebäude in Schweden und hat eine Bühnenkonstruktion und Kulissen von 1894! Die St. Marienkirche wurde schon 1200 errichtet und ist das älteste erhaltene Gebäude der Stadt. In ihr finden gerade Dreharbeiten statt - vermutlich für den nächsten Wallander-Film. Vorbei geht es für uns am Backsteinhaus mit Treppengiebel sowie an einem Fachwerkhof aus dem 16. Jhd. ebenfalls mit reichen Verzierungen. Wir entdecken so auch den Waschplatz des Dorfes, der an den einstigen Flussverlauf des Vassaans erinnert. Auf dem Weg zur Mariagatan, in der Wallander seine Wohnung hat, entdecken wir zudem noch einen verführerisch guten Bäcker und erstehen geniale Brötchen und Croissants. Irgendwie scheint Ystad uns für die Strapazen der letzten Tage entschädigen zu wollen und bietet alles, was wir brauchen, auf überschaubarer Fläche. Einzig ein Varmbadhuset wie in Karlskrona fehlt, aber das hatten wir ja auch oft genug.
Begeistert sind wir zudem vom Hafenmeister hier in Ystad. Der Automat in Simrishamn konnte uns das Restguthaben und Pfand für die Zugangskarte nicht auszahlen, so dass wir ohne das Geld dort ablegen mussten. Aber kein Problem, der hiesige Hafenmeister klärt das und so bekommen wir unser Geld doch noch wieder! Er ruft auch kurz bei der Falsterbo-Brücke an, die wir morgen nehmen wollen, und klärt die Öffnungszeiten, und dann fährt er Jan auch noch zur Tankstelle… Toll, so einen Service hatten wir auf der Reise nicht allzu oft! Das Ystad eine Reise wert ist, sieht man dann auch im Laufe des Dienstages an den vielen deutschen Yachten, die hier zu der Jahreszeit immer noch einfallen. Natürlich alle mindestens 8 Füße größer als Fritsjen. Aber 6.800 Gastyachten in diesem Jahr sprechen auch eine deutliche Sprache.
Morgen soll es für uns nach Klagshamn gehen, wenn der Wind uns lässt. Wir wollen am Donnerstag, spätestens am Freitag in Kopenhagen sein, denn dort werden wir dann hoffentlich Frank und Doro wieder treffen! Wir freuen uns schon sehr auf ein Wiedersehen nach über zwei Monaten.
