Der Start für die Fahrt nach St. Petersburg war verkorkst: es regnete ohne Unterlass und dann kam der Wind auch noch genau von vorne mit mehr als 20 Knoten - das war so von keinem der unzähligen Wetterdienste vorhergesagt, die wir konsultiert hatten. Dank Merike haben wir eine weitere Wetter-Website kennengelernt (surf.paper.ee), die uns direkt die Wetterdaten von der Mole in Tallinn präsentiert. Danke! Wir bleiben, aber schon komplett in Ölzeug verpackt, erst einmal im Hafen. Gegen zwei Uhr klart es auf, der Regen hört auf und der Wind dreht - denken wir - auf den angesagten Westwind. Wir verlassen Tallinn und nehmen Kurs auf St. Petersburg. Wir setzen die Segel und in der Bucht weht für ca. 5 Minuten ein schöner Westwind, dann haben wir auf einmal wieder Ostwind. Toll! Wir wollen Richtung Osten, später dreht der Wind immerhin auf Südost und wir können segeln. Allerdings lässt dieser Wind auch bald nach und mit der bestehenden Restwelle machen wir kaum noch Fahrt. Schön, dass gerade die Insel Prangli querab ist, von der wir von Uwe und Conny nur gutes gehört hatten. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Anfahrt und Einfahrt zwischen den dicken Steinen hindurch (der Hafen ist in keinem Hafenhandbuch beschrieben), aber wir werden belohnt von einem beschaulichen Hafen, in dem nicht nur zwei weitere finnische Segler liegen, sondern auch Uwe und Conny. Wir erkunden auf die Schnelle einen Teil der Insel. Lange halten wir es nicht aus, denn unzählige Mücken überfallen uns. Die Insel ist ein Paradies oder - wie Uwe bei Facebook schreibt - man könnte auch vermuten, dass gleich ein Hobbit um die Ecke lugt. Kleine nette Holzhäusschen, ein Feldweg als Hauptstrasse, viel Grün und Wald - eine Idylle. Sanitäreinrichtungen gibt es von der EU-finanziert: ein Plumpsklo. Ansonsten gibt es nichts, aber WLAN! Und das in einer hervorragenden Qualität.
Am nächsten Morgen soll es weitergehen, aber vorher kommt der noch der Wettercheck. Was ist denn das? Der an sich für Samstag angekündigte starke Ostwind kommt nun schon Freitag und für Samstag sind Böen weit über 40 Knoten angesagt. Die wollen wir nicht auf dem Wasser erleben. Also wird beratschlagt, wir unter uns, mit Uwe (die beiden wollen auch nach St. Petersburg) - was sollen wir tun? Bis nach St. Petersburg schaffen wir es nicht. Auf Prangli bleiben könnte es unangenehm werden, wenn es hier mit 40 Knoten direkt auf den Hafen weht. Wir überlegen Loksa anzulaufen - davon rät Merike ab, bleibt noch Vergi. Es heißt auf der Website, der Hafen ist für alle Windrichtungen geschützt und auch werden zahlreiche Serviceeinrichtungen aufgeführt (Supermarkt, Tankstelle, etc.). Wir sind uns aber nicht sicher, in wie weit der Hafen uns ausreichenden Schutz bietet. So liegt eine Bavaria 30 doch noch viel ruhiger im Hafen als wir es mit Fritsjen tun. Wir disponieren um und beschließen nach Helsinki zu fahren. Kurs 0 Grad und 35 Meilen weiter sind wir in Helsinki. Wir wollen die Zeit nutzen und unser Sightseeing Programm in Helsinki einfach vorziehen und auf das nächste günstige Wetterfenster warten um nach St. Petersburg zu kommen. Die Überfahrt geht schnell, denn wieder einmal erwartet uns mehr Wind als angesagt. Aber dafür sind wir dann auch noch vor 17 Uhr in Helsinki und können bei einem Abendrundgang erste Eindrücke von der Stadt bekommen. Uns gefällt es hier. Und der Platz im geschützten Hafen ist für die 40 kn Ostwind auch super.
